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Dienstag, 5. Juli 2011

Kirgisistan V, Von Naryn nach Jalalabad

Kirgisistan ist was die Transportmoeglichkeiten angeht sehr zentralistisch organisiert. Aus jedem Dorf kommt man einfach in die Hauptstadt Bischkek. Es kann allerdings ein Problem sein in die naechste Stadt zu kommen. Genau dieser Problematik war ich ausgesetzt als ich Naryn in Richtung Kazarman verlassen wollte. Einheimische nehmen den etwa zehnstuendigen Umweg ueber Bischkek in Kauf um guenstig von Naryn nach Kazarman zu gelangen. Dies kam fuer mich nicht in Frage.
Zum Glueck hatte das CBT Buero in Naryn die noetigen Kontakte, damit ich in ein aus Bischkek kommendes Auto zusteigen konnte. Ich musste vier Stunden warten,  aber dafuer bezahlte ich lediglich den Bischkek-Kazarman Preis und musste nicht ein Taxi fuer mich alleine mieten.
Die Strecke nach Kazarman fuehrt fast ausschliesslich ueber Schotterpisten. Fuer etwa 200 Kilometer Fahrtstrecke kann man 4,5 - 6 Stunden Fahrtzeit einplanen. Nicht nur das bergige Terrain und der schlechte Strassenbelag verhindern ein zuegiges weiterkommen, sondern auch Kuehe, Pferde und Schafe, die die Strasse zum Teil nur sehr zoegerlich verlassen.
Nach 4,5 Stunden erreichte ich Kazarman. Dort hatte ich mir einen Schlafplatz bei der Englischlehrerin des Ortes organisiert. Ich wurde nett empfangen, bekam gutes Essen und am naechsten Morgen wurde fuer mich bei der Busstation angerufen. Falls jemand von Kazarman nach Jalalabad fahren wollte, wuerde dieser in der Zeit von 7 - 9 Uhr zur Busstation kommen, andernfalls muesste ich den Wagen alleine mieten.
Kurz nach 9 Uhr holte mich der Fahrer ab. Leider hatte sich niemand gefunden, der mit nach Jalalabad fahren wollte. Was mich allerdings mehr verwunderte war, das der Fahrer anstelle eines Allradfahrzeugs mit einem gewoehnlichem Auto russischer Bauart vorfuhr. Mein Reisefuehrer hatte darauf bestanden, dass die Strecke nur mit Allradfahrzeugen moeglich ist. Mit einem mulmigen Gefuehl stieg ich in das Auto ein.
Man kann die Strasse von Kazarman nach Jalalabad mit Spuren im Tiefschnee vergleichen. Solange man sich in den Spuren bewegt ist ein zuegiges, problemloses Vorankommen moeglich. Kommt man allerdings von den Spuren ab hat man ein Problem. Bei dieser Strasse ist das Problem meist ein sehr steiler Hang, der einen auf dem schnellsten Weg ins Tal befoerdert. Der Fahrer maneuvrierte den Wagen ueber die enge Strasse und durch die kleinen Baeche, die diese regelmaessig kreuzten. Nach etwa vier Stunden Fahrt erreichte ich Jalalabad ohne Zwischenfaelle.
In Jalalabad hatte ich mir ueber das oertliche CBT ein Quartier bei einer seh freundlichen Familie organisiert. Am Abend ging ich Essen. Ich war froh ein traditionelles kirgisisches Gericht auf der Speisekarte zu finden. Dazu wollte ich mir noch etwas Gesundes goennen und bestellte zusaetzlich einen Salat. Bei der Salatauswahl hatte ich keine Lust mich wieder durch die kyrillische Speisekarte zu quaelen und so zeigte ich einfach auf einen im mittleren Preissegment. Als mir der Salat serviert wurde musste ich mich vom Gedanken etwas gesundes zu essen verabschieden. Ich hatte einen sehr Mayonaise- und Wurstlastigen Kartoffelsalat bestellt.



Kirgisistan IV, Naryn

Waehrend der Taxifahrt nach Naryn sah ich zwei Dinge, die man in Deutschland nicht sehr haeufig zu sehen bekommt. Zum einen sah ich jemanden seinen LKW mit einer Kurbel starten und das andere war ein Adler, der sich seine Beute im Sturzflug krallte.
Naryn ist keine Schoenheit, die Stadt erstreckt sich ueber mehrere Kilometer entlang des Naryn Flusses, ohne dabei irgendwann eine nennenswerte Breite zu erreichen. Die Umgebung der Stadt ist dafuer eine sehr sehenswerte Mischung aus landwirtschaftlich genutzten Taelern und Bergen.
In Naryn nutzte ich die Dienste von CBT. CBT ist die Abkuerzung fuer community based tourism. Es werden Unterkuenfte in lokalen Familien oder Jurten vermittelt, sowie eine Reihe von Touren in die Umgebung des jeweiligen CBT Bueros angeboten. Ich wollte zwei Tage in Naryn verbringen und da ich keine Ahnung hatte was ich am zweiten Tag machen sollte, fragte ich beim CBT nach Moeglichkeiten. Leider sind die Touren des CBT fast alle mit Pferde reiten verbunden. Dies schloss ich allerdings aus. Ich bin schliesslich in einer Gesellschaft aufgewachsen in der Pferde zum Sportgeraet gemacht worden sind. Mein Pferde bezogenes Wissen ist deshalb marginal, ich habe das Mickey Maus oder YPS Heft der neuesten Ausgabe der Wendy vorgezogen. Falls jemand Anwendungsgebiete zum Wissen ueber Entenhausen, Urzeitkrebse oder Solarzeppeline kennt, bitte bei mir melden.
Die Optionen beim CBT waren auf fuer mich alleine zu teuere Touren und dem Vorschlag auf eigene Faust einen der Hausberge von Naryn zu erklimmen geschrumpft. Ich entschied mich fuer die zweite Option.
Am Nachmittag des ersten Tages machte ich mich auf dem Weg in das Stadtzentrum, wenn man es denn so bezeichnen will. Mein Eindruck war gemischt. Zum einen gab es die gluecklich wirkenden Kinder, die sich sehr freuten, wenn ich auf ihr "Hello!" anwortete. Zum anderen gab es um 15 Uhr schon einige die schwankend oder gestuetzt den Nachhauseweg antraten.
Am Morgen des naechsten Tages kaufte ich mir etwas Verpflegung und machte mich auf den Weg einen der Berge am Stadtrand zu besteigen. Waehrend meines Aufstiegs bot sich mir ein grandioser Blick auf die Umgebung, gleichzeitig sah ich aber auch Gewitterwolken heranziehen. Ich setzte meinen Aufstieg fort und redete mir ein, dass die Gewitterfront an mir vorbeiziehen wuerde. Nachdem ich einen sehr steilen Abschnitt etwa hundert Meter unterhalb des Gipfels bewaeltigt hatte, sah ich ein das die Gewitterfront zu mir herueber zieht und macht kehrt. Etwa fuenf Minuten spaeter, ich hatte gerade das steilste Stueck passiert, setzten Regen und Wind ein. Soweit kein groesseres Problem dachte ich mir und zog meine Regenjacke an. Mit meinen Sneakern koennte der Abstieg etwas rutschig werden, aber wenn ich es langsam anging, sollte es nicht kritisch sein.
Kurz darauf setzte Hagel in der Groesse von Kirschen ein. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich benutzte meinen Rucksack als Helm und machte mich unter schmerzhaften Bombardement auf so schnell wie moeglich ins Tal zu kommen. Der Hagel dauerte zum Glueck nur etwas ueber fuenf Minuten an. Danach rutschte ich bei Sonnenschein nach Naryn zurueck.